K 12/1 Referat im Grundkurs Deutsch am 28. November 97
Daniel Bechteler

  

Die politischen und religiösen Verhältnisse in Westeuropa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

 

Das 16. Jahrhundert in Europa war der Beginn des Zeitalters der Glaubensspaltung und Reformation.

Gegen Anfang des Jahrhunderts war es noch die allein herrschende Religion des Katholizismus, die sich über alle Teile Europas erstreckte und nur im Osten an die orthodoxen Kirchen, und im Süden an den Islam angrenzte.
Doch durch die großen Umbrüche und Erneuerungsbestreben auf dem Gebiet der Religion, durch die Entstehung und Ausbreitung des Protestantismus calvinistischer und lutheranischer Ausprägung, sowie die Unabhängigkeit der Englischen Kirche als anglikanischer Protestantismus, wurde die Vormachtstellung des Katholizismus in vielen europäischen Ländern bis zum Ende des Jahrhunderts gebrochen oder aufgehoben.
Die enge Verknüpfung von Staat, Politik und Religion in der damaligen Zeit macht es zum besseren Verständnis der west-europäischen Verhältnisse nötig, alle drei Gebiete gleichzeitig zu betrachten.
Wenn hier die Betrachtung auf Westeuropa beschränkt bleibt, dann deswegen, da hier im Gegensatz zu anderen Teilen Europas mit deren Kleinstaaten ohne große Einzelbedeutung, sich die großen europäischen Staaten mit hoher wirtschaftlicher und politischer Bedeutung befanden.

  Zu diesen Staaten sind zu zählen:

  1. Das Königreich England
  2. Das Königreich Frankreich
  3. Das Königreich Spanien

 

1. Die historische Entwicklung

 

a) England:

König Heinrich VIII (1509-1547)

1534 Die "Suprematsakte" - Heinrich VIII löst sich von Papst und Katholizismus und macht sich zum Oberhaupt der englischen (anglikanischen) Kirche.
=> Auflösung von Klöstern; Staatsbeamte müssen unter Todesandrohung einen Eid auf die Suprematsakte ablegen.

=> Auch der Calvinismus beginnt in England, und vorallem Schottland, an Einfluß zu gewinnen.

Königin Maria Tudor (bloody Mary)

1554 Heirat mit Philipp II von Spanien
=> Der Versuch mit Spaniens Unterstützung den Katholizismus wieder einzuführen scheitert an Marias frühem Tod 1558.

 

Königin Elisabeth I (1558-1603)

=> Fortsetzung der Politik ihres Vaters Heinrich VIII ( nationale Eigenständigkeit, königliche Authorität über die angl. Staatskirche, Begünstigung der Reformation).
=> Aufstieg Englands zur Seefahrts- und Kolonialmacht ( 1584 Gründung von Virginia )
=> Höhe der Renaissance in Kunst und Literatur (William Shakespeare (1564-1616))

1587 Elisabeth I läßt die vom Adel entmachtete schottische Königin, die kath. Maria Stuart, wegen landesverräterischen Umtrieben anklagen und hinrichten

1588 Die Hinrichtung Maria Stuarts veranlaßt den spanischen König Philipp II. zum Angriff auf England mit der span. "Armada Catolica"
=> Das Ziel ist den Protestantismus und die für span. Interessen gefährliche engl. Flotte zu bekämpfen.
=> Spaniens Ziel schlägt fehl => England siegt ( wendigere Schiffe, bessere Taktik, Stürme)
=> Der engl. Sieg leitet das Ende der span. Vormachtstellung in Europa und der Welt ein.
=> Beginn der engl. Seeherrschaft
=> Der Sieg wird von manchen Calvinisten als "Gottesurteil" gedeutet.

b) Frankreich

 Schwache Könige aus dem Haus Valois

vor 1562:
=> Ruinierte Wirtschaft durch Kriege gegen die Habsburger
=> Stetig zunehmender Gegensatz zwischen Katholiken und Hugenotten (frz. Calvinisten) => Entstehung einer kath. Partei aus Königshaus und der lothringische Adelsfamilie Guise, und einer hugenottischen Partei mit einflußreicher Anhängerschaft in SW-Frankreich.

1562 Beginn der 30 jährigen Hugenottenkriege
=> Einmischung des Auslands:

=> Spanische Unterstützung der Katholiken
=> Englische und Deutsche Unterstützung der Hugenotten

1572 In der Bartholomäusnacht werden trotz Friedensanbahnungen durch die geplanten Hochzeit des Hugenotten Heinrich von Bourbons mit der Schwester des frz. Königs ,ca 3000 Hugenotten allein in Paris ermordet.

König Heinrich IV (1589-1610)

1589 Das frz. Königshaus Valois stirbt aus. Heinrich von Bourbon macht seine Rechte geltend und übernimmt, nachdem er um König zu werden zum Katholizismus übertritt, den Thron.
=> Heinrich IV: "Paris ist mir eine Messer wert"

1598 Das "Edikt von Nantes" - Heinrich IV gesteht den Hugenotten die freie Religionsausübung und volle Bürgerrechte zu.
=> Ende der Religionskriege
=> Der innere Frieden führt zur Zurückgewinnung der Wirtschaftskraft und außenpolitischen Bedeutung.

 c) Spanien

Sieht sich als "Bollwerk des Katholizismus". Die Durchsetzung der religiösen Einheit Spaniens erfolgt durch die Inquisition, die als "geistliche Gerichte" mit Folter und Scheiterhaufen gegen "Ketzer" und Glaubensabweichler vorgehen.

Philipp II (1556-1598)

=> Der mächtigste Herrscher Europas ( große Ländermassen und Kolonien, Edelmetalle aus Amerika, starke Armee)
=> Stellt seine Macht in den Dienst der Katholischen Kirche
=> Jedoch Fehler in der Wirtschaft => Aufgebaut auf die Edelmetalle aus den Kolonien; kein Gewerbeaufbau => große Gegensätze zwischen kleiner Oberschicht und breiter Unterschicht.

1554 Gescheiterter Versuch mit Hilfe von Maria Tudor England wieder zu katholizieren.

1567 Revolten in den span. Niederlanden gegen die span. Fremdherrschaft und den Fundamentalismus, besonders den dortigen Calvinisten und Lutheranern gegenüber.
=> span. Blutrat zur Unterdrückung der Unruhen wird gegründet.

1571 Bedeutender Sieg bei der Schlacht von Lepanto am Eingang des Golfs von Korinth gegen die Türken.

1580 Inbesitznahme von Portugal und dessen Kolonien in Personalunion

1588 Schwere Niederlage der spanischen "Armada Catolica" gegen England.
=> Der Anfang vom Endes der span. Vormacht und des span. Weltreiches.

1588 Die "Republik der Vereinigten Niederlande" spaltet sich von den span. Niederlanden ab.
=> Hohe wirtschaftliche Einbußen da bedeutende Wirtschaftszentren der damaligen Zeit.
=> Die Große Zeit der Niederländischen Kunst und Wissenschaft sowie des Handels beginnt.

 

2. Schlußfolgerungen

 

Das Verhältnis der drei großen westeuropäischen Staaten zueinander:

Allgemein:

Jeder der Staaten jener Zeit verfolgte seine eigenen Ziele und Interessen, ohne dabei das Recht der anderen Staaten hoch zu achten. Die Verknüpfung von Politik und oft fanatischer Religion, ohne den regulierenden Faktor der Toleranz, ist einer der bedeutensten Gründe dafür.

Dadurch, daß in diesen Ländern jeweils unterschiedliche religiöse Verhältnisse vorlagen, galten diese oft als Auslöser von Konflikten. Doch sollte man sein Augenmerk auch auf die inneren Verhältnisse der jeweiligen Länder selbst lenken. Es ist dann nämlich zu erkennen, daß die äußeren Konflikte auch eine Weiterführung der inneren mit mächtigeren Parteien waren, bei denen die Hauptkonstellationen der sich unterscheidenden Religionsgruppen oft gleich blieben.

Das Verhältnis England - Frankreich

=> England ist einer der Unterstützer der französischen Hugenottenbewegung, die sich auch gegen die französichen Könige richtet. Englands Bestreben liegt in der freien Ausbreitung des Protestantismus in Europa.

=> Die Partei der französischen Katholiken, zu denen auch das Königshaus gehört, versucht dagegen den Katholizismus in England zu unterstützen.

=> Es kommt zwischen England und Frankreich jedoch nicht zu einem bewaffneten Konflik. Als Grund sind die inneren Unruhen in Frankreich selbst, die Schwäche der Könige vor Heinrich IV, und die weit gewisse Toleranz zu nennen. Ein weiterer Grund ist, daß England militärische Konflikte vermeiden möchte um sich eher der Wirtschaft und den Kolonien zuwenden zu können.

Das Verhältnis Spanien - England

=> Spanien, welches sich als der Verteidiger des Katholizimus versteht, ist der erbitterste Gegner Englands, da England vom Papst abfiel. Spaniens Ziel ist es, das "abtrünnige" England für den Katholizismus mit allen Mitteln zurück zu gewinnen.

=> England hat keinen direkten Einfluß auf Spanien, außer über das Zurückdrängen des Katholizismus im eigenen Land. Durch die Forderung Spaniens, Schutzherr aller Katholiken zu sein, also auch der Englischen, ist Spanien dies schon Konfliktgrund genug.

=> Die Hinrichtung der kath. "Königin von England", der Schottenkönigin Maria Stuart, durch Elisabeth I., führt zum Angriff Spaniens auf England. Dieser Angriff kann besiegt werden, Spanien als ehemals stärkste Macht wird geschlagen, wovon es sich nicht wieder erholen kann.

=> Man kann vermuten, daß sich der spanische, fundamentalistische Katholizismus (Inquisition, Armada) durch seine eigene Radikalität selbst zum Untergang verdammt hat.

Das Verhältnis Spanien - Frankreich

=> Spanien wie Frankreich sind überwiegend katholisch geprägt. Dennoch kommt es zu Kriegen mit den spanischen Habsburgern. Diese Konflikte tragen jedoch nicht so sehr einen religiösen Charakter, als eher eine politisch-hegemonialen.

=> Im Krieg mit den Hugenotten unterstützt Spanien zwar die kath. Partei, dennoch kommt es dadurch nicht zu Frankreichs Unterstützung Spaniens gegen England.

 

 

 Quellennachweis: 

  1. bsv Geschichte 2 , Hans Holzbauer , bsv, 1983 (S: 180-185)
  2. Fragen an die Geschichte 2, Heinz Dieter Schmid, Hirschgraben-Verlag, 1978 (S: 212-215)
  3. Großer Historischer Weltatlas Dritter Teil, Josef Engel, bsv, 1981 (S: 1-13)